In der Hitze, die mich im Sommer plagte, arbeitete ich viel — ich hatte ein großes schönes Zimmer —, an Zeit fehlte es mir nicht.
Nach den Überlegungen, die ich in Marly-le-Roi über meine Malerei angestellt habe, hatte Marokko darauf einen entscheidenden Einfluss. Konfrontiert mit seinem pittoresken Charakter, verstand ich, dass ich Gefahr lief, Kitschbilder zu malen, dass ich meine Technik ändern musste. Unter diesem Einfluss begann ich, mehr in der Technik der konturbetonten Flächenmalerei zu arbeiten, mich von dem klassischen Vorbild zu entfernen, mich der reinen Farbe zu bedienen.
Diese Bilder, die im Februar 1951 in Paris in der „Galerie 55" ausgestellt wurden, veranlassten die Kritiker zu folgenden Äußerungen: »Helene de
Beauvoir vermittelt eine klare, leuchtende, sehr farbige Ansicht von marokkanischen Szenen und Landschaften" (Le Figaro, 27. Februar 1951), „Sie behauptet vor allem die Authentizität ihrer Qualitäten als Malerin" (Combat, 20. Februar 1951), „Die Künstlerin sollte man im Auge behalten" (Le Cri de Paris, 23. Februar 1951) ...
... Kontrapunkt zu diesem glänzenden Fortissimo waren die „Mondines" der weiten Po-Ebenen mit Reisfeldern, die Rizzo Amaro berühmt machen sollte. Ich bin ganze Tage bei ihnen geblieben und habe ihnen beim Pikieren des Reises zugesehen, mit nackten Beinen, Füße im Wasser, gebückt. Eine harte Arbeit. Sie sangen und lachten, abends tanzten sie. Sie kamen von den umliegenden Dörfern und von weiter her zu dieser Saisonarbeit, die sie eine Zeitlang aus der Arbeitslosigkeit riss. Ein armes, aber nicht so elendes Italien wie das in Neapel. Eine Umgebung wie die dieser Frauen untereinander, die ich mochte.
Die Arbeit des Menschen in der Natur, der aus ihr hervorging, berührt mich. Die Beziehung dieser Frauen zur Erde, dem Wasser, dem Himmel, ergreifen mich. Ich habe die „Mondinen" gemalt, die Frauen, die Krüge trugen, Waschfrauen... Italien ist ein Traumland, man sah und sieht dort manchmal noch Dinge, Gesten, die man in Frankreich nicht mehr sieht.
Diese „Mondines" waren das Thema meiner ersten Ausstellung in Mailand, dann 1954 in Paris in der Galerie Greuze. Wie jeder Kunstschaffende, so hat auch der Maler ein Recht auf seine Sicht der Dinge. Zum selben Thema wurde ein sozial harter Film gedreht, und ich machte daraus Licht. Das brachten die Kritiken zum Ausdruck. „Helene de Beauvoir scheint sich verändert oder vielmehr weiterentwickelt zu haben. Sie lässt jetzt eine echte Meisterschaft erkennen, die mit großen prismatischen Plänen vorgeht, zusätzlichen Nuancen. Dadurch wird subtil eine kostbare und sehr echte Atmosphäre evoziert" (La revue Moderne, 1. Juli 1954).
„Das Ganze ist von einer synkopischen Musikalität und badet in einem strahlenden Tageslicht." (Arts, 26. Juni 1954.
... Venedig befreite mich von mir selbst. Ich unterdrückte den Horizont, behielt nur die Luft, das Wasser, den Raum. Diesen Raum, dessen Dimension und Bedeutung mir C&anne offenbart hatte. Von Venedig bewahrte ich nur das Licht, die Reflexe und die Betonung der Vertikalen dieser wie Tröten angemalten Pfosten, an denen Schiffe und Gondeln befestigt werden.
Bilder, die ich unter dem Titel „Variationen über Venedig" in der Galerie Synthäse ausstellte. Die Presse schrieb: „Sie feiert Venedig wie einen poetischen Traum. Alles tendiert zur Intensität, zum Ausdruck
von Raum und Licht" (Juvänal, 15. Februar 1963). Das drückte recht genau aus, was ich hatte machen wollen ...
Ich stellte mir weiterhin Fragen zu meiner Malerei, ich dachte in eine neue Richtung. Die Ausstellung, die ich gerade gemacht hatte, war ziemlich abstrakt gewesen. Ich wollte diesen Weg nicht weiterverfolgen. Es hatte mir viel gebracht, da es mir erlaubte, mich von allem zu lösen, was bei meinen Bildern an Gekünsteltem hatte übrig bleiben können. Diese Abstraktion nun barg eine andere Gefahr in sich: mich darauf zu beschränken. Ein Zustand, der meiner Lebenslust zuwiderlief. Ich ertrage es nicht, die Gefangene eines Systems zu sein.
Ich beschloss, auf eine figürliche Form zurückzukommen. Die Gefahr: in meine vorherige Malweise zurückzufallen. Mit der Druckgrafik konnte ich mein Problem lösen. Die Grafik zwingt zur Vereinfachung das war das Interessante daran. In der Malerei hat man an allen Fronten zu kämpfen, Bildaufbau, Zeichnung, Farben, Material, Dimensionen. In der Grafik stehen einem nur Strich, Schwarz und Weiß zur Verfügung. Dieser Periode entspringen meine jetzigen Bilder. In gewisser Weise bin ich auf die Kristalle zurückgekommen, wobei ich eine Aufteilung der Oberfläche in verschiedene Räume beibehielt. Ich habe Kristalle mit Räumen abwechseln lassen, wobei die Kristalle den Raum widerspiegelten. Genauer gesagt bin ich auf der Suche nach zwei Räumen: einem realen Raum und einem geträumten Raum, die dennoch nebeneinander stehen, sich: durchdringen, ohne das Bild in zwei verschiedene Zonen zu zerschneiden...
... Ich habe immer nach der Natur gearbeitet ...





