Galerie Hammer

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Hélène de Beauvoir

 



 
 

 

Rede des Gesandten der französischen Botschaft Paul Graham anlässlich der Ausstellungseröffnung Hélène de Beauvoirs in der Fasanengalerie und im französischen Kulturinstitut in Berlin 2008


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Ich möchte zunächst Frau Ulrike Erben von der Fasanengalerie und Herrn Ludwig Hammer für ihre freundliche Einladung danken, und ich freue mich, dass mir die Gelegenheit gegeben ist, zur Eröffnung der Ausstellung von Hélène de Beauvoirs Werken das Wort zu ergreifen.

Hélène de Beauvoir ist zwar weniger bekannt als ihre Schwester, deren 100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern (mehr als 1 Million Einträge bei Google zu ihr, 277000 zu Hélène), sie ist dennoch eine der aufregendsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts; eine Künstlerin, die ihre Zeit mit ihrer Originalität auf ganz besondere Weise geprägt hat. Das Werk von Hélène de Beauvoir bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion; es widersteht jedem Kategorisierungsversuch. Jean-Paul Satre sagte, dass sie “zwischen den vergeblichen Zwängen der Nachahmung und der Dürre der reinen Abstraktion ihren  Weg gefunden hat”.

Bereits als sehr junges Mädchen sucht sie diesen Weg und findet ihn im Studium von Kupferstich und Malerei. Im Jahr 1936 stellt Hélène de Beauvoir mit 25 Jahren in der Galerie Bonjean in Paris aus. Ihr  farbenfroher Stil entwickelt sich im Laufe ihrer Aufenthalte im Ausland weiter, in Portugal während des Krieges, Wien, Belgrad, Casablanca und Mailand, wohin sie ihrem Ehemann, dem Diplomaten und Kulturmenschen Lionel de Roulet, folgt, bevor sie sich im Elsass niederlassen.

Hélène de Beauvoirs Werk ist sehr persönlich und vielgestaltig. Es besticht durch Harmonie und Wahrhaftigkeit, durch die Fähigkeit der Künstlerin, Dinge heraufzubeschwören - zart und schlicht, und ganz authentisch. Es beschönigt nicht. Bei der Eröffnung der Ausstellung in Brest vergleicht Jean-Paul Satre den Eindruck, den die Bilder Hélène de Beauvoirs hinterlassen, mit dem merkwürdigen Grinsen der Katze aus “Alice im Wunderland”, das noch sichtbar bleibt, als das Tier selbst schon verschwunden ist.

Hélène de Beauvoirs Werk ist sehr persönlich und vielgestaltig. Es ist das Werk einer modernen, engagierten Frau, die die Natur und die Farben malt, aber auch Männer,  Frauen und die Übel der Gesellschaft. Sie ist, wie ihre Schwester, eine engagierte Künstlerin. Weil keine Galerie sie ausstellen will, wird die Bilderreihe zum Thema Mai 1968 “le joli mois de mai” zunächst im Moulin Rouge gezeigt. Als freiheitsliebende Frau gründet sie in den 70er Jahren das Zentrum Flora Tristan für misshandelte Frauen, dessen Vorsitzende sie viele Jahre lang war.

Hélène de Beauvoir hat mehr als 3000 farbenprächtige und ausdrucksstarke Werke hinterlassen. Ihre Bilder wurden in allen Ländern der Welt und in den namhaftesten Kultureinrichtungen gezeigt: von Tokio über Paris bis New York. Heute genießt das Werk von Hélène de Beauvoir weltweit ein hohes Ansehen.

In Deutschland erlangte Hélène de Beauvoir vor vielen Jahren  Bekanntheit und Anerkennung dank Ludwig Hammer, der sie auf dem Schiff von Yokohama nach Russland kennen lernte. Die heutige Ausstellung verdanken wir dieser wunderbaren Freundschaft zwischen einer französischen Künstlerin und einem deutschen Galeristen.

Deshalb freue ich mich ganz besonders, heute bei Ihnen zu sein, um mit Ihnen zusammen die Werke von Hélène de Beauvoir zu bewundern und an einem Ereignis teilzunehmen, das im Zeichen des Austauschs zwischen unseren beiden Ländern und der deutsch-französischen Freundschaft steht.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend, viel Spaß und der Ausstellung viel Erfolg.

 

 

                                   

 Le Consul général de France Graham Paul rechts beim Empfang der Galeristen Hammer in der französischen Residenz de France in München mit Redner Ministerpräsident Edmund Stoiber  am 14. Juli 2007 zum franz. Nationalfeiertag.

 

 

Am 14. November wurde in Aachen ebenfalls eine Ausstellung mit Bildern von Hélène de Beauvoir eröffnet. Die Direktorin des Deutsch-Französischen Kulturinstitus begrüßte zu der Ausstellung, Dr. Effertz sprach die Einleitung.

Am 16. November fand auf der "FAM" im Eurogreßcenter eine Lesung der Schauspielerin Anette Schmitz mit Texten von Simone de Beauvoir statt, bei der ebenfalls etliche Bilder Hélène de Beauvoirs präsentiert wurden.

 

                       

 

                    

Galerie Hammer –Ein Ausflug ins Regensburger Beauvoir-Zentrum.

Es hat sich längst herumgesprochen und erst jüngst widmete „Der Spiegel“ der Tatsache zwei Seiten, und es gehört fast schon ins Kunst-Regensburg wie Donauschule und „Ostdeutsche“ – das künstlerische Vermächtnis von Hélène de Beauvoir, das in der Galerie Hammer in der Unteren Bachgasse 6 verwaltet und gepflegt wird. Galerist Ludwig Hammer selbst freundete sich mit der Künstlerin 1970 auf einer Schiffspassage an. Gegenseitige Wertschätzung und häufige Besuche ließen eine innige Galeristen-Künstler-Beziehung reifen. Bis das umfangreiche Werk jedoch in Regensburg ankommt, sollten noch viele Jahre und ein erbitterter Juristen-Streit um Ölbilder, Aquarelle und Stiche vergehen.

Seit Ostern gibt es neben dem reizvollen und äußerst vielfältigen Oeuvre der „kleinen“ Schwester von Simone de Beauvoir, auch Arbeiten ihres Freundes, Mentors und ideellen Lehrmeisters Pablo Picasso zu sehen (und zu kaufen). Einige wenige Blätter nur, aber Lithografien und Zeichnungen, die nicht nur eine rentablen Anlage, sondern auch kunstgeschichtliche Kabinettstücke darstellen. Die wenigen wertvollen Picasso-Blätter runden die ständige (und ständig wechselnde) Beauvoir-Ausstellung ab, es lassen sich Parallelen ziehen und Vergleiche anstellen, Einflüsse und Beeinflussungen werden deutlich.

Am 5. Juli 2001 stirbt die 1910 geborene Künstlerin. Sie überlässt Ludwig Hammer die erste Wahl aus ihrem künstlerischen Lebenswerk, ein Gemälde vermacht sie testamentarisch dem Museum der Stadt Regensburg. 2004 gibt es die erste große Beauvoir-Retrospektive in Regensburg, die Fachwelt wird langsam aufmerksam auf die große Künstlerin, die sich erst nach dem Tode aus dem Schatten ihrer Schwester, der engagierten Frauenrechtlerin und Philosophin Simone de Beauvoir löst. Zeitlebens hatten die Schwestern ein gutes Verhältnis, wenngleich Simone der Meinung war, eine Frau solle nicht in ein Atelier zurückgezogen arbeiten. Umso erstaunlicher ist, dass die ältere Schwester Hélènes beste Interpretin wurde. Auch Sartre, Simones Kumpan und Gefährte, schätzte Hélènes Kunst hoch. Zeit ihres Lebens galt die bildnerisch tätige Beauvoir als hervorragende Künstlerin, als Malerin und Zeichnerin ersten Ranges. Mit 20 Jahren hat sie bereits ein eigenes Atelier, damals eine Sensation. Ausstellungen in den ersten Galerien weltweit mehren ihren Ruf, mit den Großen der Kunst steht sie in Kontakt.

Das Werk der Malerin zu kategorisieren, ist ein schwieriges Unterfangen. Stets verweigerte sich Hélène vorherrschenden Richtungen oder Strömungen. Spätimpressionismus, Expressionismus, Kubismus – in keine dieser „Schubladen“ lassen sich Stiche, Ölbilder und Aquarelle der Beauvoir einordnen. Sie selbst änderte Maltechnik und Motive sehr häufig, bewusst, um sich abzugrenzen, um sich nicht kategorisieren zu lassen, um sich nie selbst zu kopieren. In diesem Punkt ist sie ihrer Schwester letztlich doch sehr ähnlich, mochte die Ältere die Jüngere auch rügen, dass sie gern und gut kochte und eine stabile und harmonische Beziehung führte, Betonung auf eine Beziehung! Es sind die pastosen Töne, die in Beauvoirs Bildern vorherrschend, viel Rosa, viel Blau. Figurativ, dann hemmungslos verspielt floral, Arabesken aus Farben auf weißgrundigem Horizont. Eine sehr weibliche Malweise, in allen Techniken versiert, virtuos in der Komposition. Am schönsten beschreibt aber Hélènes Kunst die Schwester selbst: „…Ein Bild ist für Hélène eben nicht nur ein Akkord harmonischer Farben, der zum Komfort des Mobiliars beiträgt. Es stellt vielmehr so etwas wie ein Fenster dar, das den Blick ins Imaginäre öffnet.“

Ein Problem, das keines ist, oder zumindest keines sein sollte: In der Galerie Hammer sind die Beauvoir-Bilder in geradezu inflationärer Fülle vertreten. Leicht kommt die Anmutung auf, Hélène de Beauvoir sei eine Viel-Malerin gewesen, wenig wählerisch mit Sujets und Motiven. Weit gefehlt. Fast ein ganzes Jahrhundert hindurch war die Künstlerin kreativ, sie schuf über mehrere Epochen hindurch ihr ureigenes und umfangreiches Werk. Welche Kostbarkeiten, welch dekoratives und welch reiches Kunstschaffen sich in der Galerie Hammer im wahrsten Sinn des Wortes stapelt, lässt sich nur für den ermessen, der sich die Mühe macht, Blätter, Gemälde und Stiche in Ruhe und in Muße zu studieren und auf sich wirken zu lassen.

Dass in Deutschland eine gründliche und ernsthafte Beauvoir-Rezeption gerade erst einsetzt, zeigt sich daran, dass im letzten Jahr Galerist Hammer viele Beauvoirs zu einer umfassenden Schau nach Erlangen auslieh. Im Moment haben sich die Bestände in der liebenswerten „Kunstkammer“ Hammer wieder gelichtet, zwei Ausstellungen in Berlin, eine im Französischen Institut Berlin und eine in der legendären Fasanen Galerie, zeigen dem hauptstädtischen Publikum die Regensburger Schätze. Und so schafft die Beauvoir Platz für hervorragende Blätter des Großen der Moderne, Picasso, und räumt ein prominentes Plätzchen frei für einen hinreißenden Matisse. Wenn auch nur auf Zeit.

 

Die Galerie Hammer zeigte bis Ende Dezember 2008 eine seltene Illustrationsreihe:

10 Originalaquarelle mit Tuschezeichnung zum tragischen Leben der Marie Antoinette, die Hélène de Beauvoir für die Edition Quadrevens schuf. Die Künstlerin schrieb dazu: "... Ich bin sensibel für das 18. Jahrhundert, wunderbar ästhetisch die Gärten und Kleider, eine Mischung aus Schönheit, Charme und Schrecken. Marie Antoinette hatte so viel Schmach nicht verdient; sie musste herhalten für den ganzen Hass und für alle Laster, in ihr kristallisierten sich alle sexuellen Wahnvorstellungen und man hängte ihr alle Verbrechen der Menschheit an."  Bild dazu unten: